HanfgewebeCannabis ist eine Textilart, die aus Fasern der Stängel der Cannabispflanze hergestellt wird. Diese Pflanze ist seit Jahrtausenden als Quelle außergewöhnlich reißfester und haltbarer Textilfasern bekannt, doch die psychoaktiven Eigenschaften von Cannabis haben den Anbau dieser äußerst nützlichen Nutzpflanze in letzter Zeit erschwert.
Über Jahrtausende wurde Cannabis sativa für zwei unterschiedliche Zwecke gezüchtet. Zum einen haben viele Generationen von Anbauern diese Pflanze selektiv so gezüchtet, dass sie einen hohen Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) und anderen psychoaktiven chemischen Bestandteilen, den sogenannten Cannabinoiden, aufweist. Zum anderen haben andere Anbauer Cannabis sativa konsequent so gezüchtet, dass sie stärkere und bessere Fasern produziert und den Gehalt an psychoaktiven Cannabinoiden in ihren Pflanzen gezielt reduziert haben.
Infolgedessen haben sich zwei unterschiedliche Sorten von Cannabis sativa herausgebildet. Es ist ein Mythos, dass Hanf aus der männlichen Cannabis-sativa-Pflanze und psychoaktives Marihuana aus der weiblichen Pflanze gewonnen wird; tatsächlich stammt der Großteil der weltweiten Hanfernte von weiblichen Pflanzen. Weibliche Cannabis-sativa-Pflanzen, die für die Textilproduktion gezüchtet wurden, weisen jedoch einen sehr niedrigen THC-Gehalt auf und bilden in der Regel keine ausgeprägten, klebrigen Blütenstände aus.
Die Stängel der Hanfpflanze bestehen aus zwei Schichten: Die äußere Schicht besteht aus seilartigen Bastfasern, die innere aus holzigem Mark. Nur die äußere Schicht des Cannabis-sativa-Stängels wird für Textilien verwendet; die innere, holzige Schicht dient üblicherweise als Brennstoff, Baumaterial und Einstreu für Tiere.
Sobald die äußere Schicht der Bastfasern von der Hanfpflanze entfernt ist, kann sie weiterverarbeitet und zu Seilen oder Garnen hergestellt werden. Hanfseile sind so reißfest, dass sie einst das bevorzugte Material für Takelage und Segel von Seeschiffen waren und bis heute als hervorragendes Material für Bekleidung gelten, das Baumwolle und synthetische Textilien in den meisten Belangen übertrifft.
Da jedoch viele Gesetze weltweit nicht zwischen THC-reichem Marihuana und Hanf, der praktisch kein THC enthält, unterscheiden, schöpft die Weltwirtschaft das Potenzial von Hanf nicht voll aus. Stattdessen wird Hanf von Menschen, die seine Eigenschaften nicht kennen, als Droge stigmatisiert. Immer mehr Länder fördern jedoch den großflächigen Anbau von Industriehanf, was darauf hindeutet, dass die moderne Renaissance der Hanfverarbeitung ihren Höhepunkt erreicht.
Hanf hat nach der Verarbeitung zu Stoff eine ähnliche Textur wie Baumwolle, fühlt sich aber auch etwas wie Canvas an. Hanfstoff läuft nicht ein und ist sehr resistent gegen Pilling. Da die Fasern dieser Pflanze lang und robust sind, ist Hanfstoff sehr weich, aber gleichzeitig äußerst strapazierfähig. Während ein typisches Baumwoll-T-Shirt maximal 10 Jahre hält, kann ein Hanf-T-Shirt doppelt oder dreimal so lange halten. Manche Schätzungen gehen sogar davon aus, dass Hanfstoff dreimal so reißfest ist wie Baumwollstoff.
Hanf ist zudem ein leichtes Gewebe, was bedeutet, dass es sehr atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit effektiv von der Haut nach außen ableitet. Daher ist es ideal für warme Klimazonen. Hanf lässt sich leicht färben und ist äußerst resistent gegen Schimmel, Mehltau und potenziell schädliche Mikroorganismen.
HanfgewebeEs wird mit jedem Waschen weicher und seine Fasern zersetzen sich auch nach Dutzenden von Wäschen nicht. Da es zudem relativ einfach ist, Bio-Hanfgewebe nachhaltig herzustellen, ist dieses Textil geradezu ideal für Bekleidung.
Veröffentlichungsdatum: 11. Oktober 2022
